Andacht für den 3. Sonntag nach Ostern, Sonntag Jubilate, 25. April 2021

Wochenspruch: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“(2. Korinther 5, 17)

Lied(Evangelisches Gesangbuch # 432):
1. Gott gab uns Atem, damit wir leben.
Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.:|

2. Gott gab uns Ohren, damit wir hören.
Er gab uns Worte, dass wir verstehn.
Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.:|

3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln.
Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.:|

Gebet
Du Schöpfer aller Dinge, wie du die Natur zu neuem Leben erweckst, so willst du auch uns Menschen erneuern und einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, in denen Gerechtigkeit wohnt. Belebe uns, wecke uns auf aus aller Verzagtheit, dass wir den Mut haben zu glauben und auferstehen zum Leben mit dir. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

Lesung aus der Apostelgeschichte des Lukas, Kapitel 17:
Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.(Apg17,22-34)

Auslegung
In einer Berghütte komme ich mit anderen Wanderern ins Gespräch. Zu später Stunde werde ich von einem gefragt: Was machst du eigentlich beruflich? – Ich bin Pfarrer. Nach einer kleinen Gesprächspause erklärt mein Gegenüber: Kirche wäre nichts für ihn. Aber er wäre ein gläubiger Mensch. Er glaube auch an Gott. Alle glauben doch an einen Gott. Religionen brauche er aber nicht dazu.

Es ist beachtlich, dass der Apostel Paulus bei seiner Rede in Athen vor 2000 Jahren die Menschen bei einem ganz ähnlichen Denken oder Glauben abholt und ihnen dann über einen Weg der Vernunft ein klares Ziel anbietet: den Glauben an den einen Gott, der sich in Jesus gezeigt und im auferstandenen Christus bestätigt hat.

Als Paulus durch Athen geht, sieht er Tempel, Götterbilder, Altäre. Er steht vor einer Vielfalt an religiöser Kunst. An den Steinen und Bauten kann er ablesen: in diesen Menschen ist die Ahnung von Gott da. Und er würdigt das auch: „Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.“ Paulus nimmt darüber hinaus auch wahr, dass die Athener eine Sehnsucht in sich tragen, ein Fragen nach Gott, eine Ahnung davon, dass Gott noch viel größer ist als die Tempel und die Götterbilder. Er erkennt dieses Suchen nach Gott und sagt ihnen: „Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: „Dem unbekannten Gott.“ Ist das nicht ein bemerkenswert, dass der Apostel Paulus genau an diesem Punkt anknüpft?

Dieser Anknüpfungspunkt bietet sich auch heute noch. In sehr vielen Menschen schlummert eine Ahnung von Gott. Menschen haben spirituelles Interesse. Sie wollen eine Erklärung für die Welt und für sich selbst. Trauernde stellen Engel auf die Gräber. Schutzengel lassen sich gut verkaufen. Allen möglichen Dingen wird eine geheimnisvolle Wirkung zugesprochen. Die Menschen unserer Zeit sind nicht weniger religiös als früher, auch wenn viele nicht mehr christlich und gleich gar nicht mehr kirchlich sein wollen.

Aber dem Apostel Paulus gelingt es, dieses grundsätzliche Fragen und Suchen der Menschen nach Gott aufzunehmen: „Keinem von uns ist Gott fern. In ihm leben, weben und sind wir.“ Gott ist uns näher als die Luft zum Atmen, näher als uns die Menschen sind, näher als die Dinge, die uns umgeben. Paulus kann das so sagen, weil er an den Schöpfer glaubt. Gott hat die Welt geschaffen und hat auch uns das Leben gegeben. Wenn wir Paulus nach einem Beweis für seinen Gedanken fragen könnten, würde er sagen: Schau Dich an: Du bist der Beweis! Du hast Dir weder das Leben noch Deinen Leib selbst gegeben. Du hast Dir deine Kraft und Deine Talente nicht selbst ausgesucht. Mit allem, was Du bist und was Du lebst und was Du kannst, kommst Du immer schon von Gott her. Jede Faser Deines Lebens kommt von Gott.

Bis hierhin können vielleicht sogar auch heute viele Leute gedanklich noch mitgehen. Aber nun geht Paulus noch einen Schritt weiter: Es ist nicht damit getan, dass wir sagen: Gott gibt es. Es ist nicht damit getan, dass wir sagen: Er hat uns und alles geschaffen. Sondern Gott will, dass wir ihn suchen und mit ihm leben. Es geht um eine persönliche Beziehung zu Gott, um eine Beziehung des Vertrauens, in der wir aus sehnsüchtig wünschenden auf Gott hörende Menschen werden. Wenn wir Kinder taufen, wird über ihnen gesagt: Du sollst zu Gott gehören, du sollst ein Kind Gottes sein. Du sollst zu dem Gott gehören, der sich selbst in dieser Welt zu erkennen gegeben hat in dem Menschen Jesus Christus. Damit bekommt unser Leben einen Weg, eine Richtung. Das ist dann kein Allerweltsglaube mehr, aus dem ich das, was mir passt und was mir bequem ist, heraus picken kann, sondern das ist der Glaube, der immer wieder fragt: Was ist der Wille Gottes für mein Leben - an diesem Tag heute? Was will Jesus durch mich in dieser Welt tun?

Einige haben diesen Ruf gehört – aber viele haben sich lächelnd abgewendet. Einige haben den nahen Gott in den Worten seines Boten erkennen können, viele können diesen Worten nicht folgen. Die einen hören, glauben und entdecken einen Schatz, für den sie bereit werden, vieles aufgeben, und die anderen gehen ihres Weges. So ist es bis heute.

 

Viele Menschen haben ein religiöses Bedürfnis. Hier bietet sich ein guter Anknüpfungspunkt. Aber es bleibt dabei offen, ob sie sich wirklich von einem konkreten Gott, der einen Namen hat, herausrufen und fordern lassen. Aber für einige wird ein solcher Ruf wie eine Erlösung, wie eine Tür ins Freie, die für sie so lange verschlossen war. Amen.

Fürbitte(hrsg.v. Gottesdienstreferat Universität Leipzig):
Ewiger Gott,
du atmest mit uns,
du liebst und wir leben,
du bist die Quelle.
Du machst neu, wo Altes enden muss.
Wir bitten dich für alle, die aufbrechen und nach einem neuen Miteinander suchen.
Wir bitten dich für alle, die in ihrem Alltag dem Frieden dienen.
Wir bitten dich für alle, die für andere einstehen und sie schützen.
Du bist das Leben – erbarme dich.

Ewiger Gott, du gibst Leben, wo der Tod regieren will.
Wir bitten dich für alle, die trauern und ohne Hoffnung sind.
Wir bitten dich für alle, die mit dem Tod ringen und voller Schmerzen sind.
Wir bitten dich für alle, die verzweifelt sind und deren Klagen verstummen.
Du bist das Leben – Erbarme dich.

Ewiger Gott, du begeisterst und weist uns ins Weite.
Wir bitten dich für alle, die nach dir Ausschau halten, die sich an dir festhalten und die auf dein Wort hören.
Wir bitten dich für deine Gemeinde - für alle, die in dir bleiben wollen und auch für die, die in Zweifel und Angst leben.
Wir bitten dich für unsere Kinder und für alle, die zu uns gehören.
Du bist das Leben – du atmest mit uns,
du liebst und wir leben,
du bist die Quelle.
Dir vertrauen wir uns an durch Jesus Christus.
Mit ihm rufen wir:
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Lied(Evangelisches Gesangbuch # 506):
1. Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege,
die Liebe, die für alle wacht, anbetend überlege:
so weiß ich, von Bewundrung voll, nicht, wie ich dich erheben soll,
mein Gott, mein Herr und Vater!

2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, die Wunder deiner Werke;
der Himmel, prächtig ausgeschmückt, preist dich, du Gott der Stärke.
Wer hat die Sonn an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät?
Wer ruft dem Heer der Sterne?

3. Wer misst dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen?
Wer schließt den Schoß der Erde auf, mit Vorrat uns zu segnen?
O Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit,
so weit die Wolken reichen.

Segen
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

(Quelle www.kirchgemeinde-hoeckendorf.de)
Pfarrer Michael Heinemann

Faltblatt mit Andacht zum 3. Sonntag nach Ostern, Sonntag Jubilate
25.04.2021
210425.pdf
Adobe Acrobat Dokument 108.3 KB
Faltblatt mit Andacht zum 2. Sonntag nach Ostern, Miserikordias Domini
18.04.2021
210418.pdf
Adobe Acrobat Dokument 115.6 KB
Faltblatt mit Andacht zum neuen Jahr 2021 (Jahreslosung)
01.01.2021
210101.pdf
Adobe Acrobat Dokument 178.8 KB