Andacht zum 7. Sonntag nach Trinitatis

 

An diesem Sonntag feiern wir, dass wir uns als Gäste am Tisch Gottes verstehen dürfen. Gott gibt uns reichlich. Er gibt Nahrung für Leib und Seele. Wir haben mehr als wir für uns allein brauchen. Wir können teilen. Da wo Menschen frei werden, das Brot zu teilen, geschieht ein Wunder, da zeigt sich Gottes Kraft.

 

Lied: EG 320
1. Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren
für alle seine Gaben, die wir empfangen haben.

 

2. Den Leib, die Seel, das Leben hat er allein uns geben;
dieselben zu bewahren, tut er nie etwas sparen.

 

Gebet
Wunderbarer Gott, du schenkst uns alles, was wir zum Leben brauchen,
du schenkst uns Christus, deinen Sohn.
Er ist das Brot des Lebens.
Mache unser Herz weit, dass wir wahrnehmen,
wie reich deine Güte ist für alle Menschen,
in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

 

Lesung aus dem Hebräerbrief:
Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt. (Hebräer13,1-3)

 

Auslegung:
Kennen Sie die Geschichte von „Martin dem Schuster“:
Es war einmal ein armer Schuster, der hieß Martin und lebte in einem Keller. Durch das kleine Kellerfenster konnte er die Menschen sehen, die draußen auf der Straße vorübergingen. Zwar sah er nur ihre Füße, doch erkannte er jeden an seinen Schuhen. Fast alle diese Schuhe hatte er schon in seinen Händen gehabt.

 

Schon seit vielen Jahren arbeitete Martin in dem Keller, der ihm Werkstatt und zugleich Wohnung war. Von morgens bis abends schnitt er Leder zurecht, nagelte neue Sohlen auf die Schuhe oder nähte einen Flicken auf eine geplatzte Naht. Die Leute kamen gern zu Martin, denn er machte seine Arbeit gut und verlangte nicht zu viel Geld dafür.

 

Wenn der Advent kam und es draußen dunkel wurde, zündete Martin die Lampe an und las in seinem Lieblingsbuch. Es war die Bibel mit den vielen Geschichten von Jesus. Den ganzen Tag freute er sich auf dieses Buch. Er konnte den Abend kaum erwarten.

 

Eines Tages hörte Martin, wie jemand seinen Namen rief. „Martin“, klang es plötzlich ganz leise an seinem Ohr. Er blickte sich um. Aber niemand war in seiner Werkstatt. Doch gleich darauf hörte er die Stimme wieder: „Martin! Schau morgen hinaus auf die Straße! Ich will zu dir kommen.“ Martin dachte, er habe geträumt. War es Jesus, der aus der Stille zu ihm sprach?

 

Am nächsten Morgen sah Martin vor seinem Fenster ein paar alte, geflickte Soldatenstiefel und bald erkannte er auch den Mann, der sie anhatte. Es war der alte Stephan. Er schaufelte gerade den Schnee von der Straße. Die Arbeit strengte ihn sehr an. Er musste immer wieder stehen bleiben, um sich auszuruhen. Martin hatte Mitleid mit dem armen Mann und rief ihn zu sich herein. „Komm herein, Stephan! Wärme dich in meiner Stube!“ Dankbar nahm Stephan die Einladung an. Er getraute sich kaum, mit dem Schnee an den Stiefeln die Stube zu betreten. Doch Martin redete ihm freundlich zu: „Setz dich zu mir an den Tisch, Stephan! Ich will dir ein Glas Tee einschenken. Der warme Tee wird dir gut tun.“

Als Stephan gegangen war, schaute Martin bei der Arbeit wieder aus dem Fenster. Da sah er eine junge Mutter mit einem kleinen Kind auf den Armen. Die Frau fror in ihrem dünnen Kleid. Sie versuchte, ihr Kind vor dem kalten Wind zu schützen. „Komm herein, Frau!“ rief Martin ihr zu. „Hier drinnen kannst du dein Kind besser wickeln.“

 

 

 

Martin nahm die Suppe vom Herd, die er für sich selber gekocht hatte, und gab sie der Frau. „Hier, iss etwas,“ sagte er, denn er sah der Frau an, dass sie Hunger hatte. Während die Mutter die Suppe aß, nahm Martin das Kind auf seinen Schoß und versuchte, es durch allerlei Späße zum Lachen zu bringen. Dann gab er es der Mutter zurück.

 

 

Kaum war die Mutter mit dem Kind gegangen, da hörte Martin ein Geschrei vor seinem Fenster. Eine Marktfrau schlug auf einen kleinen Jungen ein, der einen Apfel aus ihrem Korb gestohlen hatte. „Warte nur, du Dieb! Ich bring dich zur Polizei“, schrie sie wütend und zerrte den Jungen an den Haaren. Sofort rannte Martin auf die Straße hinaus. „Lass ihn doch laufen“, sagte er zu der Frau. „Er wird es bestimmt nicht wieder tun. Den Apfel will ich dir bezahlen.“ Da beruhigte sich die Frau und der Junge musste sich bei ihr entschuldigen, weil er den Apfel gestohlen hatte. „Schon gut“, sagte die Marktfrau und ging weiter. Der Junge aber half ihr freiwillig, den schweren Apfelkorb zu tragen.

 

Am Abend las Martin wieder in seinem Lieblingsbuch in der Bibel. Da hörte er die Stimme an seinem Ohr: „Martin, Ich bin bei dir gewesen. Hast du mich erkannt?“ „Wann? Wo?“ fragte Martin erstaunt . „Schau dich einmal um“, sagte die Stimme. Da sah Martin plötzlich den alten Stephan im Licht der Lampe stehen und daneben die junge Mutter mit ihrem Kind. Auch den Jungen mit dem Apfel sah er und die Marktfrau mit dem Korb am Arm. „Erkennst du mich jetzt?“ flüsterte die Stimme. Dann waren alle auf einmal verschwunden. Da freute sich Martin. Er schlug wieder seine Bibel auf und las, was Jesus gesagt hatte: „Alles, was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25)

 

Diese Geschichte sagt doch: Mach die Tür auf! Es könnte Gott sein, der zu dir will.

 

Diese Idee ist uralt. Sie kommt schon im 1. Mosebuch vor: Der alte Abraham erlebt, wie eines Tages zur heißen Mittagszeit plötzlich drei Männer vor seinem Zelt auftauchen. Er bittet sie, an seinem Zelt nicht vorbei zu gehen. Er hält es für möglich, dass in diesen drei Männern auch Gott gegenwärtig ist. Er bewirtet sie im kühlen Schatten eines großen Baumes aufs Beste und erweist ihnen alle Ehre. Drinnen im Zelt bereitet Sara, seine Frau die Speisen. Sie hört, wie die drei Fremden sich nach ihr erkundigen. Die alte Sarah lacht, als jene Männer ihrem Ehemann ankündigen: Wenn wir übers Jahr wieder hierher kommen, hat Sara einen Sohn zur Welt gebracht. Die alte Sarah lacht. Aber Sarah bekommt tatsächlich einen Sohn im hohen Alter. Die drei Männer erweisen sich damit als Boten Gottes. (1.Mose 18)

 

Auch diese Geschichte sagt: Mach die Tür auf. Es könnte Gott sein, der zu dir will.

 

In wie vielen Krippenspielen wird zu Weihnachten die Herbergssuche von Maria und Joseph spannend dargestellt. Wenn Maria und Joseph an die Türen Bethlehems klopfen, könnte das nicht auch bedeuten: Mach die Tür auf. Es könnte Gott sein, der zu dir will?

 

Unscheinbar kommt Gott auf unsere Erde. Der Höchste zeigt sich als der Geringste. Das bringt uns Menschen in Schwierigkeiten. Diese Art Gottes ist eine echte Herausforderung. Wir müssen damit rechnen, dass er uns im ungebetenen Gast, sogar im Gefangenen und im Misshandelten begegnet. Unser Bibelabschnitt mahnt: „Vergesst, nicht gastfrei zu sein!
Gott will zu euch kommen.“

 

Vielleicht können auch Sie Geschichten erzählen, in denen Sie sich auf die Not von Menschen eingelassen haben, geteilt haben im Glauben, dass Gott unter uns ist? Es sind vielleicht ganz unterschiedliche Geschichten – teils mit einem gutem und teils mit einem schlechtem Ausgang, oder auch mit einer wundersamen Wendung. Vielleicht haben Sie es aber selbst Auch schon erlebt, in der Fremde plötzlich hilflos da zu stehen und berührende Gastfreundschaft zu erleben. Es ist gut, wenn solche Geschichten und Erfahrungen nicht aufhören und Menschen sich als Gäste über alle Grenzen hinweg begegnen. Amen.

 

 

Fürbitte“:
Gnädiger Gott, unser Ernährer,
wir hängen an dir wie Ungeborene an der Nabelschnur,
und aller Atem, all unser Denken und Wollen und Fühlen,
alles Hoffen und Glauben, alle unsere Angst und alle unsere Fragen sind dein.

 

 

An deinem Tisch empfangen wir mehr, als wir zu bitten wagen,
Leben in Fülle, seelische Stärkung, Feuer im Herzen,
Überwindung des Todes.
Was könnten wir bitten, was du uns nicht schon gibst?

 

Aber wir haben Angst, wir sind von dir getrennt und fragen:
Warum verstellen Tod und Schmerz und Abschiede
uns immer wieder deine Gegenwart?
Warum sind wir uns selbst so oft fremd?
Warum schlägt der Lebenshunger der einen in Maßlosigkeit um
und andere zahlen den Preis?
Warum gibt es die menschliche Verlorenheit im Egoismus?
Warum können wir nur so zaghaft lieben?

 

Gnädiger Gott, mit unseren Fragen sind wir dein.
Getrennt von dir, vertrauen wir dir, dass du alles Trennende überwindest
und wir erfahren, die Wahrheit unseres Lebens in deiner unablässigen Liebe
durch Jesus Christus unseren Herrn, mit dem wir beten
Vaterunser…

 

Lied: EG 419
1. Hilf, Herr meines Lebens, dass ich nicht vergebens,
dass ich nicht vergebens hier auf Erden bin.

 

4. Hilf, Herr meiner Seele, dass ich dort nicht fehle,
dass ich dort nicht fehle, wo ich nötig bin.

 

Segen
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Andacht 7.Sonntag nach Trinitadis
Juli_20_2_7.Stg.n.T..pdf
Adobe Acrobat Dokument 109.5 KB
Juli Andacht
Juli_20_1_5.Stg.n.T..pdf
Adobe Acrobat Dokument 133.0 KB