Andacht zum 2. Sonntag nach Epiphanias

 

Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Joh. 1,16)

Lied (Evangelisches Gesangbuch # 398)
1 In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ!
Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist;
hilfest von Schanden, rettest von Banden.
Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja.
Zu deiner Güte steht unser G’müte,
an dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja.

Gebet
Heiliger Gott, schenke uns Augen,
dass wir deine Wohltat und Gnade erkennen.
Befreie uns aus Kleinmut und Verzagtheit,
dass wir deinen Willen tun und unseren Nächsten eine Hilfe sind.
Durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn,
der uns deine Herrlichkeit sehen lässt
und mit deinem Geist begabt, heute und in alle Ewigkeit. Amen.

Lesung aus Johannes 2,1-11
Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam - die Diener aber wussten's, die das Wasser geschöpft hatten -, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Auslegung
Wenn der Wein meiner Lebensfreude ausgegangen ist;
wenn einer sich leer und ausgezehrt fühlt;
wenn nichts mehr in ihm ist, von dem er schöpfen kann;
wenn ihm das, was bisher Freude machte, einfach genommen wird,
wenn nichts mehr da ist, was in trüben Zeiten trägt;
wenn ihm die Kraft fehlt, an Morgen zu denken,
bessere Zeiten vor Augen zu haben;
wenn er in seiner täglichen Arbeit den Sinn nicht mehr erkennen kann;
wenn Freundschaften ins Wanken kommen;
wenn er sich einsam glaubt;
wenn Ängste und Trauer sein Leben besetzen;
wenn er in schlaflosen Nächten den Morgen herbeisehnt, dann…?

Werden wir dann nicht gebraucht? Wird dann nicht mein Glaube an Gott gebraucht, mein Vertrauen auf Jesus Christus, mit dem sich eine andere Wahrheit auftut? Dürfen wir diesem Menschen dann nicht verschweigen, dass die im Moment gefühlte Wahrheit nicht die ganze Realität ist? Müssen wir ihm nicht mitteilen, dass es daneben noch eine andere Wahrheit gibt, in der Gottes Gnade aufleuchtet? Wir sollten diesem Menschen sagen: Vertraue dich dem an, der dich zu deinem wahren Leben führen möchte. Dein wahres Leben ist das Leben, wie Gott es dir zugedacht hat. Er hilft dir, es zu erkennen und zu ergreifen.

Weihnachten feiern wir das doch. Gott kommt in Jesus zu uns und will uns aus dem Elend dieser Welt retten. Gott möchte, dass sich in meinem Leben die Momente häufen, in denen ich mich fühle wie das Brautpaar bzw. wie die Gäste auf jener Hochzeitsfeier in Kana. Sie stehen vor gefüllten Krügen mit allerbestem Wein und erkennen freudig: Wir können aus dem Vollen schöpfen. Gott sei Dank. Das Fest kann weiter gehen. Es endet nicht im Mangel.

Erinnern Sie sich an die Freudenfeste, die Sie ausgerichtet haben, und die gelungen waren, weil es Ihren Gästen an nichts mangelte?

„Unser Leben sei ein Fest“, so habe ich begeistert in der Jungen Gemeinde gesungen – und habe es dort auch so erlebt – Gott sei Dank! Gott lässt uns keinen Mangel leiden. Gott möchte, dass ich mein Leben mit Lust lebe, frei und fröhlich und glücklich! Und wie oft übersehe ich das, weil ich meine, dass mir noch dieses und jenes zum Glücklichsein fehlt. Es ist ein Jammer, dass ich das so oft übersehe und verpasse: Gott schenkt uns ein Leben voll gespannter Erwartung auf das, was der kommende Tag bringt; in Freude auf die Begegnung mit Menschen, die ich kenne oder kennenlerne, ein Leben in der Hoffnung, dass ich gebraucht werde und helfen kann. Ein Leben in der Freude darüber, anderen Menschen Freude zu machen; ein Leben in der Freude darauf, meine Gaben nutzen zu können und Erfüllung zu erleben. So hat doch Gott mein Leben geplant! Er, der Liebhaber des Lebens.

Gott wartet darauf, dass ich mein Leben, sein Lebensgeschenk, liebe. Diese Liebe bin ich nicht nur meinem Schöpfer sondern auch meinen Mitgeschöpfen schuldig!

Weihnachten feiern wir. „Weicht ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein.“ Er tritt in unser Leben, durch ihn redet Gott zu uns, um unseren Durst nach Leben zu stillen oder zu wecken, falls uns der Lebensdurst abhanden gekommen ist.

„Was er euch sagt, das tut!“ lässt Gott durch Maria den Dienern auftragen. Dieser Satz hat sich bewährt! Jeder, der Jesu Worte hört und danach handelt findet zur Wahrheit seines Lebens. Die Worte haben bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren. „Was er dir sagt, das tu!“ Lassen Sie sich diese Worte gesagt sein, gerade dann, wenn Sie sich wünschen, dass das Leben zum Fest wird, dass Sie die Fülle des Lebens einfach genießen wollen, wenn Sie sich wünschen, dass aus Ihrer Zerrissenheit Geborgenheit wird, wenn Sie Sehnsucht nach diesem Frieden haben, sei es Ihnen gesagt: „Tu, was er euch sagt.“

Die Fülle des Lebens finden wir, wenn wir Jesus nachfolgen, wenn wir Jesus das Licht der Welt sein lassen, wenn wir von seinem unendlichen Gottvertrauen lernen, mitten in allen Herausforderungen, die auf uns einstürmen, mitten in allem, was uns das Leben schwer zu machen droht. In Jesu Nachfolge lernen wir, was wichtig ist und was nicht: Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? (Matthäus 6,26)

Und schließlich ließ Gott den Dienern durch Jesus sagen.  „Füllet die Wasserkrüge mit Wasser!“ Die leeren Krüge immer wieder füllen - das ist das Alltägliche. Bedeutet das nicht: Gott verwandelt das Alltägliche? Er wird auch meinen Alltag verwandeln, die Familie, meine Arbeit, die Sorgen, die ich mir mache, die alltäglichen Begegnungen? In diesem Wunder geschieht es jedenfalls: Gott lässt das Alltägliche zu einer Quelle großer Freude werden. Das erhoffe ich mir auch für meinen Alltag.

„Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird!“ So haben wir es wieder mit der Weihnachtsgeschichte des Lukas gehört. Damals auf den Feldern Bethlehems widerfuhr die große Freude den Hirten. Später in Kana den Brautleuten und den Gästen, bis heute soll diese Freude Ihnen und mir widerfahren. Gott will das so. Darum ist er Mensch geworden. Mit Ihrem und meinem Glauben, mit unserer Erwartung und Hoffnung auf Gott, verwandelt Gott unseren Alltag, uns selbst und unsere Welt. Amen.

 

Fürbittengebet (hrsg.v. Gottesdienstreferat Universität Leipzig)

Lasst uns beten:

Wo du erscheinst, Gott,
wird das Leben zu einem Fest.
Wasser wird zu Wein.
Sorge wird zur Zuversicht.
Was uns niederdrückt, bricht auf.

Erscheine, Gott,
allen, die sich fremd sind,
Gefangene in überzogenen Erwartungen an sich selbst
oder in quälenden Zweifeln,
Getriebene von den Ansprüchen anderer
oder von der Sorge, zu kurz zu kommen.
Wir feiern mit dir das Leben und bitten:
Gib Gnade um Gnade.

Erscheine, Gott,
allen Kranken und Sterbenden,
allen, die in Unfrieden auf ihr Ende sehen,
die sich nicht fallen lasse können in deine lebendige Gegenwart,
allen Verbitterten.
Wir feiern mit dir das Leben und bitten:
Gib Gnade um Gnade.

Erscheine, Gott,
allen, die um Tote trauern,
allen Kindern,
die keine Geborgenheit kennen,
allen, denen die Lebensperspektiven schwinden
und die neue Wege vor ihnen noch nicht erkennen.
Wir feiern mit dir das Leben und bitten:
Gib Gnade um Gnade.

Erscheine, Gott,
allen, die über ihre eigenen Grenzen nicht hinausschauen können,
die nicht spürenn, wie Du uns liebst und trägst,
uns in die Weite führst,
wie du uns birgst in einer Freude,
die höher ist als alles, was wir verstehen können.
Wir feiern mit dir das Leben und bitten:
Gib Gnade um Gnade.

Wo du erscheinst, Gott,
wird das Leben zu einem Fest.
Du gibst uns mehr, als wir wünschen und hoffen können,
Gnade um Gnade,
jeden Morgen, jede Nacht, jeden Tag.

 

Vater unser… Amen.

Lied (Evangelisches Gesangbuch # 66)
7. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden:
Komme, wen dürstet, und trinke, wer will!
Holet für euren so giftigen Schaden
Gnade aus dieser unendlichen Füll!
Hier kann das Herze sich laben und baden.
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden.

8. Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.

Hochgelobt sei der erbarmende Gott,
der uns den Ursprung des Segens gegeben;
dieser verschlinget Fluch, Jammer und Tod.
Selig, die ihm sich beständig ergeben!
Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.

Segen: Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen. 
 

Pfarrer Michael Heinemann

 

Faltblatt mit Andacht zum 2. Sonntag nach Epiphanias
17.01.2021
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Faltblatt mit Andacht zu Epiphanias
06.01.2021
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Faltblatt mit Andacht zum neuen Jahr 2021 (Jahreslosung)
01.01.2021
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