Andacht für den Ostersonntag,  4. April 2021

Wochenspruch: Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offenbarung 1,18)

Lied (Evangelisches Gesangbuch # 99)
Christ ist erstanden von der Marter alle;
des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.
Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen;
seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ’. Kyrieleis.
Halleluja, Halleluja, Halleluja!
Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Gebet
Lebendiger Gott, du hast durch die Auferstehung deines Sohnes
dem Tode die Macht genommen
und lässt heute aller Welt das Heil verkünden:
Nimm Kleinglauben und Zweifel von uns und lass uns einstimmen
in das Osterlob all derer, die bezeugen, dass Christus von den Toten auferstanden ist und für uns lebt in Ewigkeit. Amen.

Lesung aus dem 2. Buch Mose 14 (in Auswahl):
Die Israeliten hoben ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, stehet fest und sehet zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein. Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken, und die Wasser teilten sich. Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Männer, mitten ins Meer. Da reckte Mose seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam gegen Morgen wieder in sein Bett, und die Ägypter flohen ihm entgegen. So stürzte der HERR sie mitten ins Meer. Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Männer, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, so dass nicht einer von ihnen übrigblieb. So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand. Damals sangen Mose und die Israeliten dies Lied dem HERRN und sprachen: Ich will dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan, Roß und Mann hat er ins Meer gestürzt.

Auslegung
Ostern ist mehr als Schokohasen, Ostereier, Osterbrot und Osterwasser. Ostern ist auch mehr als ein Frühlingsfest, wobei der Frühling, in dem das Leben in der Natur erwacht, wunderbar zu diesem Fest passt.

Das Osterfest hat eine existentielle Botschaft für uns als Menschen, die zugleich auch die zentralste unseres christlichen Glaubens darstellt. In der voranstehenden Lesung ist diese Botschaft so formuliert: „Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

Es geht um ein Werk Gottes, um eine Befreiung und Erlösung aus größter Bedrängnis, von tiefstem menschlichen Leid und dem Tod. Im wahrsten Sinne des Wortes: Zu Ostern geht es um Leben und Tod, die Hoffnung auf Gottes Kraft in diesem Leben und darüber hinaus, bis in Ewigkeit. Ostern ist das große Hoffnungsfest der Christenheit. Wir feiern die Auferstehung Jesu. Wir feiern damit auch unsere eigene Hoffnung, dass mit dem Tod nicht einfach alles aus und vorbei ist. Wir vertrauen darauf, dass unser Leben in Gottes Ewigkeit aufgehoben ist.

Nach christlichem Verständnis ist der Tod wie ein Durchgang, hinein in die Ewigkeit, hinein in den Raum von Gottes unendlicher Liebe, in den Raum seines Lichts und seiner Herrlichkeit. An Jesus Christus, in dem Gott uns mit seiner Liebe ganz nahe gekommen ist, hat er uns seine Macht gezeigt, als Herr über Leben und Tod. So wie es uns der Wochenspruch aus Offenbarung 1,18 sagt: „Christus spricht: Ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle." – Das ist der Sieg des Lebens über den Tod, der Grund unserer österlichen Freude.

Dieser Sieg Gottes über den Tod zeigt sich aber nicht nur in der Auferstehung Jesu. An vielen Stellen in der Bibel erweist sich Gottes Kraft stärker als der Tod. Auch in der alttestamentlichen Geschichte von der Rettung des Volkes Israel am Schilfmeer zeigt sich so ein Sieg Gottes über eine tödliche Bedrohung. Die vernichtende Macht der ägyptischen Streitwagen hatte die geknechteten und ausgebeuteten israelitischen Sklavenarbeiter und ihre Familien verfolgt. Gerade waren sie erst mit Gottes Hilfe unter Führung des Mose aus der ägyptischen Sklaverei entkommen.

Aber der Pharao, der ägyptische Herrscher, der sich von seinen Göttern ermächtigt fühlt, hatte es sich schnell wieder anders überlegt. Kaum waren die 10 Plagen, die ihn hätten warnen sollten, halbwegs ausgestanden, wollte er seine billigen hebräischen Sklavenarbeiter, die aufgrund einer Hungersnot als Nomaden nach Ägypten gekommen waren, wieder zurückholen. So schickte er Rosse, Reiter und sein Streitwagenheer den Wehrlosen hinterher in die Wüste. Dahin waren sie geflohen, um weiter nordwärts, Richtung Israel zu ziehen. Nun lag vor ihnen ein unüberwindbares Meer und hinter ihnen stürmten ihre grausamen Verfolger heran. Die hatten den Auftrag, sie zu vernichten, falls sie nicht zur Umkehr zu bewegen waren.

Und da geschieht das Wunder. Gott schenkt seinem Volk in dieser hoffnungslosen Situation das Leben, das Überleben, während die hochgerüstete ägyptische Streitmacht in den Fluten ertrinkt. Das Volk Israel jedoch erreicht überglücklich das rettende Ufer. Das ist Rettung in letzter Minute. Diese alttestamentliche Rettungsgeschichte wird für uns heute zu Ostern, zur einer Symbolgeschichte für den Kampf zwischen Leben und Tod – ein Kampf, der uns alle betrifft – das brauche ich in Zeiten von Corona nicht länger auszuführen. Seit einem Jahr kämpfen wir.

In der Begegnung mit dem Tod kommen wir an unsere menschlichen Grenzen. Wir erleben, dass unser Wissen, unsere Möglichkeiten und unsere Macht begrenzt sind. Auch Ärzten bleibt dann nichts weiter übrig, als zu bekennen: Jetzt können wir nichts mehr tun, wir können nur noch Schmerzen lindern. Es geht auf das Ende zu. Was dann?

Als Christen darf uns jedoch im Angesicht des menschlichen Sterbens, das unser aller Schicksal ist, eine große christliche Zuversicht tragen: der Tod ist nur ein Durchgang, wenn auch manchmal kein sanfter, stiller, leichter Übergang, sondern mitunter auch ein Todeskampf in körperlicher und seelischer Bedrängnis. Aber am Ende mit der Hoffnung auf Erlösung, die erlösende Kraft Gottes, die uns ans rettende Ufer bringt, hinein in die Ewigkeit, den Raum der Liebe Gottes, wo „kein Leid und kein Schmerz mehr ist und Gott abwischen wird alle Tränen“, wie das Buch der Offenbarung sagt. Gott hat das letzte Wort - der Tod nur das vorletzte. Gott behält am Ende den Sieg. Das Leben siegt!

Der Weg des Volkes Israel erinnert daran: Gott schenkt Leben: selbst da, wo wir nur noch den Tod befürchten. Gott gibt neue ungeahnte Freiheit. Ist das nicht eine Botschaft, die wir gerade in diesen Tagen brauchen? Da wo nur noch Angst herrscht, schenkt Gott einen wunderhaften Weg in die Freiheit.

Die Israeliten werden darüber dankbar. Mirijam war die erste, die zur Pauke griff und ein Freudenlied anstimmte: „Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.“ Andere Frauen stimmten mit ein und begannen dazu zu tanzen.

 

Bis heute feiert das Volk Israel jährlich das Passahfest, in dem sie dieser rettenden Tat Gottes dankbar gedenken. Jesus, der Passah mit seinen Jüngern feiert, vergleicht sich im Abendmahl mit dem Passahlamm, das zur Schlachtbank geführt wird – seine Kreuzigung. Aber dabei bleibt die neutestamentliche Heilsgeschichte nicht stehen, denn nach dem Karfreitag kam am dritten Tag der Ostermorgen, Christi Auferstehung.

Das ist, was wir zu Ostern mit österlichem Jubel feiern: Christus ist auferstanden. Das Leben siegt. Das Leben in Gott und aus Gott ist stärker als der Tod. Darum ist Ostern viel, viel mehr als volkstümliche Tradition mit Osterhase und Ostereiern! Auch wenn solche Symbole auf den Sinn von Ostern deuten: Den Sieg des Lebens über den Tod; die geschenkte Erlösung und Befreiung, den Durchgang durch den Tod ins ewige Leben. AMEN. Ihnen allen wünsche ich ein frohes Osterfest!

Fürbitte:
Vater im Himmel, du hast uns das Leben geschenkt. Wir bitten
- für die, die uns einst das Leben gaben, und für alle, die uns seither ihre Liebe schenken,
- für unsere Verwandten, Freunde und Bekannten und für alle, mit denen wir zusammen leben und arbeiten,
- für unsere Gemeinden und für alle, mit denen wir durch unseren Glauben verbunden sind,
- für unsere Regierung und alle, die in dieser schwierigen Zeit Verantwortung tragen:
Stärke uns in der Hoffnung,
dass sich das Gute als stärker erweist als das Böse,
dass das Leben mächtiger ist als der Tod,
dass du dort, wo wir als Menschen ans Ende kommen,
einen neuen Anfang schaffen kannst und willst
durch Jesus Christus, unseren Herrn, mit dem wir beten:
Vater unser…

Lied (Evangelisches Gesangbuch # 106)
Erschienen ist der herrlich Tag, dran niemand g’nug sich freuen mag:
Christ, unser Herr, heut triumphiert, sein Feind er all gefangen führt. Halleluja.

Die alte Schlange, Sünd und Tod, die Höll, all Jammer, Angst und Not
hat überwunden Jesus Christ, der heut vom Tod erstanden ist.
Halleluja.

Segen: Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

(Quelle www.kirchgemeinde-hoeckendorf.de)
Pfarrer Michael Heinemann

Faltblatt mit Andacht zum Ostersonntag
04.04.2021
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Faltblatt mit Andacht zum Karfreitag
02.04.2021
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Faltblatt mit Andacht zum neuen Jahr 2021 (Jahreslosung)
01.01.2021
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