Andacht für Johannestag 2020

 

 

 

Lied EG 432:
1. Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

 

2. Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

 

3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

Tagesspruch: „Dies ist das Zeugnis Johannes des Täufers: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Johannes 3, 30)

 

 

Lied Singt von Hoffnung 026:
1. Das Jahr steh auf der Höhe, die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut. Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin.

2. Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht. Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht. Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichsein nimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein.

3. Das lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit. Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit, die Tage loszulassen und was vergänglich ist, das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist.

4. Du wächst und bleibst für immer, doch unsere Zeit nimmt ab. Dein Tun hat Morgenschimmer, das unsre sinkt ins Grab. Gib, eh die Sonne schwindet, der äußre Mensch vergeht, dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht.

 

 

Gebet:
Gott, du hast dein Kommen angekündigt und Johannes den Täufer gesandt, um deinem Sohn den Weg zu bereiten. Hilf uns, dass auch wir seinem Ruf folgen und öffne uns Herz und Ohr für dein Wort. Altes vergeht und Neues beginnt. Gott, wir bitten dich, sei uns nahe in unseren Wüstenzeiten, und gib dem Zeugnis des Johannes Kraft, dass es uns bestärkt im Glauben an Jesus Christus, deinen Sohn. Amen.

Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus 11, 11-19:
Jesus sprach zu dem Volk: Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer; der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er. Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, reißen es an sich. Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes; und wenn ihr's annehmen wollt: Er ist Elia, der da kommen soll. Wer Ohren hat, der höre! Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und rufen den andern zu: Wir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint. Denn Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht, und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt, und sie sagen: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden aus ihren Werken.

 

 

Auslegung:
Am 24. Juni – sechs Monate vor Weihnachten und damit in der Mitte des Jahres – erinnern wir uns an die Geburt Johannes des Täufers. Er gilt als der Wegbereiter für Jesus, dem Sohn Gottes.

 

Wortgewaltig trat er auf. Seine Erscheinung erinnerte seine Zeitgenossen an den Propheten Elia. Johannes trug ein Kamelfell und ernährte sich von Heuschrecken und wildem Honig. Er predigte klar und deutlich vom nahenden Gericht Gottes. Niemand kann diesem Gericht entkommen und es genügt auch nicht sich darauf zu berufen, Abraham als Vater zu haben. Johannes forderte Umkehr zum lebendigen Gott. Die Taufe zur Vergebung der Sünden soll das sichtbare Zeichen für diesen Neuanfang sein.

 

Wortgewaltig war Johannes und er nahm auch kein Blatt vor den Mund. So bezichtigte er auch seinen Landesfürsten Herodes öffentlich des Ehebruchs, weil er die Frau seines Bruders geheiratet hatte. So kam er ins Gefängnis. Johannes hörte im Gefängnis von den Taten Jesu. So ließ er von dort Jesus anfragen, ob ER derjenige sei, der da kommen soll oder ob sie auf einen anderen warten sollten. Und Jesus verwies in seiner Antwort auf die Ereignisse, die geschahen: „Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ (Matthäus 11, 5.6)

 

Nun legt Jesus selbst Zeugnis ab über Johannes dem Täufer. ER bezeugt, dass niemand auf Erden in seiner Bedeutung größer sei als Johannes der Täufer. Gleichzeitig aber macht Jesus deutlich, dass im Himmelreich der geringste größer sei als er. Damit wird klar, im Himmelreich gelten die irdischen Macht- und Bedeutungsverhältnisse nicht mehr. Sie werden heilsam umgekehrt.

 

Jesus sagt über Johannes auch, dass er der Elia sei, der da kommen soll. Im Buch des Propheten Maleachi, dem letzten Buch im Alten Testament, heißt es am Ende: „Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt. Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern, auf dass ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage.“ (Maleachi 3, 23.24)

 

Das Wort des Propheten macht deutlich, dass Gott sein Recht durchsetzen wird. Zuvor soll Elia die Herzen der Menschen bekehren. Denn Gott will nicht die Zerstörung, sondern Bekehrung. Deshalb führt Jesus die Worte an: „Wer Ohren hat, der höre!“

 

Jesus weiß aber auch um die Zustände SEINER Zeit und auch um die unserer Zeit. Viel hat sich seitdem nicht verändert. Damals wie auch heute scheint der Ruf zur Umkehr regelrecht zu verhallen. Dies verdeutlicht Jesus mit dem Beispiel der Kinder, die auf dem Markt gerufen haben: „Wir haben euch aufgespielt, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr wolltet nicht weinen.“ (Matthäus 11, 17)

 

Der Ruf zur Umkehr beziehungsweise zur Buße ist die unbequeme Kernbotschaft der Bibel. Immer wieder mahnten die Propheten im Alten Testament, sowie Johannes der Täufer und Jesus im Neuen Testament: Kehrt um! Kehrt eure Herzen und Sinne zu Gott um!

 

Umkehr beziehungsweise Buße tun heißt zunächst seinen Lebenskurs bedenken. Dabei geht es um die Frage: „Wer ist der Mittelpunkt und das Ziel meines Lebens?“ Darüber gilt es nachzudenken. Nichts anderes bedeutet Buße – Nachdenken. Nachdenken darüber, wem ich mein Leben zu verdanken habe. Nun können wir diese Umkehr aus uns heraus nicht vollziehen. Das kann nur der Heilige Geist bewirken. Deshalb braucht es das Gebet und sei es auch mit den Worten, die die diesjährige Jahreslosung beinhaltet: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ (Markus 9, 24)

 

Der Ruf zur Umkehr kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen. Dafür bedient sich Gott unterschiedlicher Mittel, die sowohl in der Bibel beschrieben werden, als auch sich in der Geschichte ereignet haben. Dabei kann Gott auch Pandemien nutzen, um uns Menschen zur Buße beziehungsweise zur Umkehr zu rufen.

 

Gerade die Coronakrise und der zurückliegende Lockdown haben uns diese Zeit des Nachdenkens geschenkt. Dass die Kirche es nicht fertig gebracht hat, einen klaren Aufruf zur Buße zu wagen und zu vollziehen, war eine vertane Chance. Zwar war und ist Corona kein Strafgericht Gottes, wohl aber ein Ruf zur Buße. Denn noch hat Gott die Wiederkunft Jesu verzögert, weil ER will, dass alle Menschen zu IHM umkehren.

 

Nun neigt sich das Jahr der zweiten Hälfte zu. Es geht auf Weihnachten zu, dem Fest der Geburt Jesu. Gott hat SEINEN Sohn in die Welt aus Liebe gesandt und will, dass durch Jesus die Menschen wieder Zugang zu IHM haben. Jesus hat uns den Weg zu Gott geöffnet. Wir brauchen ihn nur zu beschreiten. Noch leben wir in der Zeit der Gnade. Noch haben wir die Chance, unsere Herzenstür für Jesus Christus zu öffnen. Amen.

 

Andacht zum Johannestag
Andacht_Johannestag.pdf
Adobe Acrobat Dokument 119.6 KB
Andacht zum Pfingstfest
Juni_20_1_Pfingsten.pdf
Adobe Acrobat Dokument 104.2 KB